Das Schöneberger Südgelände entstand um die Jahrhundertwende auf Land, das von wohlhabenden Bauern, den sogenannten "Millionenbauern" ursprünglich als Ackerland bewirtschaftet worden war.
Der Priesterweg wurde 1763 zunächst als schmaler Feldweg entlang der Ackerfluren der Schöneberger Bauern angelegt, auf dem der Schöneberger Pfarrer seine weiteren Kirchen in Lankwitz besuchte.
Ursprünglich viel länger, wurde der nördlich Straßenabschnitt jedoch durch die Anlage der Ringbahn (1871) und die Anlage der Berlin- Potsdamer Eisenbahn (1838) vollständig aufgehoben.
Erhalten geblieben ist jedoch der Ende des 19. Jahrhunderts gepflasterte und nun als Kastanienallee angelegte südliche Abschnitt des Priesterwegs.
Da es sich bei dem Priesterweg um einer der letzten Beispiele originaler Straßen des 19. Jahrhunderts in Berlin mit einer originalen Bepflasterung, Granitbordsteinen und unversiegelten Gehwegen handelt, soll er durch die Eintragung in das Baudenkmalbuch so erhalten werden und hat daher eine über den Bezirk hinausgehende Bedeutung.
Ursprünglich erstreckte sich das Südgelände vom Sachsendamm, Priesterweg, Rubensstraße bis zum Luftbad (jetzt Steglitz). Flankiert wurde es durch die 1903 erbaute Nathanael- Kirche am Gratzer Platz, sowie die 1907 erbaute Gemeindeschule (Barnim- Grundschule) und das 1909 erbaute Helmholtz Gymnasium (Uckermark- Grundschule).
1910 kam noch das Auguste-Viktoria- Krankenhaus dazu.
Diese Gebäude waren die einzigen, die den Rand des Südgeländes säumten.
Die Bürger Schönebergs und Friedenau waren fleißige Gärtner und so entstanden dort 31 Kolonien mit insgesamt 7000 Kleingärten. Schon damals war es für Immobilienentwickler ein begehrtes Areal und nur durch den Widerstand der Kleingärtner und verschiedener politischer Kreise konnte die Planung zum Bau von 15000 Wohnungen einer amerikanischer Firma verhindert werden.
Außerdem gab es von Seiten der Stadtplaner die Idee dort einen zentralen Großbahnhof entstehen zu lassen.
Jedoch wurde im Mai 1920 von der Regierung das Reichsheimstättengesetz und im Januar 1924 das Ausführungsgesetz verabschiedet. Auf 34,4ha sollten Dauerkleingärten geschaffen werden. Doch Aufgrund des wirtschaftlichen Aufschwungs wurden die Dauerkleingärten vergessen.
Allerdings stellten die Kleingärtner auf dem Südgelände schon frühzeitig fest, dass zur Interessenvertretung ein Verband von Nöten wäre und so gründeten sie 1920 den Bezirksverband der Kleingärtner Schöneberg- Friedenau als gemeinnützige Organisation.
1926 fasste das Bezirksvermessungsamt in einem genauen Plan die Kolonien und das umliegende Land in Reserveland, Lagerplätze, Sport- und Spielplätze zusammen. (Siehe Plan unten).
Doch der Plan eines Berliner Zentral-, Post- und Güter- Großbahnhofs kam wieder auf den Tisch und diesmal wurde durch die Räumung des Südgeländes zwischen 1935 und 1938 dem Kleingartenwesen dort ein vorläufiges Ende gesetzt.
Tausende von Obstbäumen, Sträuchern und Lauben wurden vernichtet. Die Reichsbahn zahlte 25 Millionen als Entschädigung an Kleingärtner und Magistrat.
In dieser Zeit baute die GSW auf dem geräumten Gelände Rubenstraße- Grazer Damm Wohnungen und gleichzeitig begannen am Riemenschneiderweg Aufschüttungen für den Güterbahnhof. Das Südgelände schien für Immer verloren. Doch die Spreeschen Stadtplanung wurde durch den zweite Weltkrieg ein zweites Mal verhindert.
Durch die Organisation Todt wurde unter Einsatz von Zwangsarbeitern das Südgelände zur Flakstellung ausgebaut. Einige Kleingärtner bauten außerhalb der Flakstellungen weiterhin Gemüse an.
Nach dem Zusammenbruch rief der Hunger und die Not die Kleingärtner erneut auf den Plan. Der damalige Beziksverbandsvorsitzende Paul Heppich nahm die Einteilung der Parzellen im Auftrag der amerikanischen Kommandantur vor. (Siehe Plan unten)
Berge von Schutt wurden von Trümmerfrauen und Kleingärtner zusammengeräumt. So entstand auch der Insulaner, früher im Volksmund auch Monte Klamott genannt.
1553 begann der Kampf für den Bezirksverband der Kleingärtner erneut. Der damalige Magistrat von Schöneberg, ordnete das Areal als Grabeland ein, womit es keinen Kündigungsschutz genoss und die Wohnungsbaugesellschaft GSW plante dort auf dem billigen Südgelände Wohnungen zu bauen.
Diesmal kämpften die Kleingärtner unter der Leitung des Bezirksverbandes mit Schildern und Plakaten gegen die Beseitigung der grünen Lunge indem sie die Bevölkerung informierte, was der Verlust derselben bedeutete.
1953 protestierten Tausende von Kleingärtnern im Sportpalast gegen die neuen Bebauungspläne, die ein zweites Mal die mühevolle Arbeit vernichten sollte. Die Bevölkerung von Schöneberg- Friedenau unterstütze die Forderungen der Kleingärtner und gleichzeitig informierte Paul Heppich, damaliger Verbandsvorsitzender, die Bundesbahn, dass durch die gezahlten 25 Millionen Abfindung an die Kleingärtner und den Magistrat, das Areal ihr Eigentum sei. Die Bundesbahn reagierte sofort. Durch Verhandlungen erreichte die GSW und die Stadtplanung, das Teile am Voralberger Damm bis zum Riemenschneiderweg freigestellt wurden, ebenso wie für den Schnellstraßenbau für das Schöbneberger Kleeblatt. Wieder mussten ca. 800 Parzellen geräumt werden.
Man kann sagen, dass das Südgelände fast die Hälfte aller Gärten im Laufe seines Bestehens verloren hat, ca. 3000 Parzellen.
Ziel ist es, die verbliebenen 29 Kolonien mit 2744 Parzellen weiter für die kommenden Generationen als grüne Lunge Schönebergs dauerhaft zu erhalten.
Quellen:
- Festschrift zum 85 jährigen Bestehen der Kleingartenkolonie Grüne Aue von Ulrile Köllner 12.09.1992
- Chronik des Schöneberger Südgeländes Werner Dudek 04.10.1986
Impressionen aus den Jahren 1951/52 unserer Kolonie
