Interview mit Sybille Wurzel
am 2. Dezember 2024, Stieglitzweg
Sybille ist seit 55 Jahren auf Ihrer Parzelle., der Pachtvertrag wurde im November 1969 von Ihrem Mann unterschrieben. Zur damaligen Zeit unterschrieben nur die Männer. Später, ca. 1989, als sich beide trennten, wurde Sybille Alleinpächterin und ab dieser Zeit circa wurde es üblich, dass beide Partner den Pachtvertrag unterschrieben.
Als die beiden 1969 den Garten übernahmen standen dort 42 Obst und Beerensträucher. Es gab alles von Brombeeren, Himbeeren, Stachelbeeren über verschiedene Sorten von Apfelbäumen über Sauer- und Süßkirschen zu Birnen- und Pfirsichbaum.
Die Ablöse betrug für das Obst 1300,- DM und für den einfachen Holzschuppen 900,-DM.
Das Obst wurde zu Marmelade und Kompott verarbeitet und trug zur Bevorratung von Lebensmitteln für den Alltag bei. Das Einwecken wurde auf der Parzelle mit Gasflaschen erledigt, erst später , ab circa 1982 kam Strom für Licht und Herd.
Die beiden bauten dann eine Steinlaube auf die Parzelle, mit den übrig gebliebenen Steinen wurde für die beiden Söhne, damals 4 und 6 Jahre alt, ein Schwimmbassin gebaut. Dieses wurde mit einfach mit Wasser ohne Chlor gefüllt, hatte einen einfachen Ablauf und wenn das Wasser schmutzig war, wurde es gewechselt.
Bald war das Becken so beliebt, dass sämtliche Kinder aus den umliegenden Parzellen zum planschen und spielen vorbei kamen. Da es zu dieser Zeit noch keine individuellen Wasseruhren gab, gab es auch Diskussionen über den Wasserverbrauch, den manche Parzellisten skeptisch sahen, später kamen dann auch die einzelnen Wasseruhren.
Heute gießt Sybille aufgrund der Wasserknappheit weniger als früher, verändert hat sich an den Stachel- und Johannisbeeren ein grauer Pilz, der auch am Ende des Stieglitzwegs zu finden ist. Das könnte mit dem Klimawandel zu tun haben.
Damals wurden noch von den Amerikanern jedes Jahr auf dem Priesterweg für alle Schrebergärtner-/innen ein Wegefest organisiert.
Überhaupt hat man früher viel mehr Feste gefeiert. Es gab viele Kinder und mit ihnen wurden die verschiedensten Feste wie Pfingst- Sommer-, Erntedank- und Weihnachtsfest gefeiert. Sybille hatte jedes Jahr einen Stand für die Kinder mit unterschiedlichen Spielen, wo sie von 12.30h bis 18.30 für die Kinder da war, danach feierten dann die Erwachsenen.
Mit zu den Festen gehörte auch Onkel Pelle, ein lustiger Clownsbursche, der mit seiner Quetschkommode von Garten zu Garten zog und aus seinem Beutel Bonbons verteilte.
Die Laube war der Erholungsort für die ganze Familie, es wurden Feste zu den verschiedensten Anlässen im Garten gefeiert, wie Geburtstage, Jubiläen und anderes mehr. Oder man wechselte mit befreundeten Paaren reihum die Lauben für ein gemütliches Beisammensein am Abend. Es war auch so, dass Ausflüge übers Wochenende organisiert wurden, mit dem Bus fuhr man etwa in den Harz. Irgendjemand organisiert es und die Leute fuhren mit.
Die Kantine wurde von verschiedenen Frauen geführt, 3-4 haben auch auf der dazugehörigen gegenüberliegenden Parzelle gewohnt. Die Kantine wurde auch zum feiern der verschiedenen Anlässe genutzt.
Die Männer nutzen auch vormittags schon die Kantine zum Kartenspielen und Bier trinken, hatten sogar zum Laubennachbarn am Zaun ein kleines Abstelltischchen fürs Bier angebracht und tranken und redeten am Gartenzaun sozusagen von Parzelle zu Parzelle.
Man tauschte sich viel mehr aus, Samen und Blumenzöglinge wechselten ganz unkompliziert in neue Gärtnerhände. Wenn einem etwas gefiel in einem Garten, fragte man einfach danach und dann wurde weitergegeben und das Kolonieübergreifend.
In den Sommerferien verbrachte man die Zeit im Garten oder die Kinder gingen unbeaufsichtigt ins Freibad des nahe gelegenen Insulaners, was heute ja gar nicht mehr möglich wäre wegen der vielen Chaoten.
Der Garten ist für mich ein Ort der Erholung und Entspannung und „steht eigentlich für allet“
Interview mit Gerhard Schreier
16. April 2025
Gerhard ist auf der Parzelle 22 seit 35 Jahren. Er übernahm die Parzelle von seinem Vater der seit der Gründung 1947 auf der Parzelle war. Der Pachtvertrag des Vaters wurde am 1.10.1950 geschlossen.
In Teilen der Laube finden sich Stücke der Berliner Geschichte wieder. Da Gerhards Vater nach dem Krieg bei den Amerikaner beschäftigt war, wurde ihm von dort ein Stahlbau in Form einer offenen Garage an die Kolonie angeliefert. Sein Vater verbaute und verkleidete sie dann im hinteren Teil der Laube und Gerhard wunderte sich anfangs noch, weshalb ihm alle Bohrer beim Bohren verglühten.
Zur Geschichte der Kolonie gehört auch, dass es hier auf einer Parzelle zur Ernte von blauen Erdbeeren gekommen war. Nachdem man Bodenuntersuchungen entnommen worden hatte, kam heraus, dass dieser belastet war. Grund dafür waren die Flak- Stellungen während des Krieges. Diese waren in Trichtern aufgestellt und man hatte wohl in diesen den Müll vom nahe gelegenen Auguste- Viktoria- Krankenhaus verklappt.
In einer sehr frühen Versammlungseinladung aus den Anfangszeiten der Kolonie wurde darum gebeten, dass jeder Pächter ein Brikett und einen Ziegelstein für die Errichtung eines Wachhäuschens mitbringen solle. Dieses befand sich ungefähr dort, wo jetzt der Müllplatz zu finden ist. Zu dieser Zeit musste die Ernte der Gärten noch vor Diebstahl gesichert werden.
Angebaut wurden Beeren, Obst wie Apfel und Birnen, Gemüse, Kartoffeln. Der Garten, kann man sagen, diente ausschließlich zu den Anfangszeiten der Versorgung. Erst später, ca. ab Mitte der 50er Jahre, begann man auch zu grillen. Anfangs wurde daher auch kaum im Garten gefeiert, außer in ganz kleinen Rahmen. Ebenso war auch ein Übernachten eher unüblich.
Das Vereinshaus der Kolonie war eine Kneipe gewesen. Dort wurde auch gefeiert, wobei sich alle Gärten bei den Vorbereitungen wie das Schmücken und Herrichten beteiligten. Ebenso fanden hier Veranstaltungen für Kinder statt, die später mangels Kinder dann wegfielen.
Überhaupt kann man sagen, dass das Vereinsleben unkomplizierter und spontaner gestaltet war. Der Vorstand organisierte mit den Leuten, die er eingesammelt hatte, die anstehenden Unternehmungen. Jeder Garten gestaltete mit, je nach Möglichkeit. Zu den Kinderfesten wurden in den Gärten Buden aufgestellt und die Kinder zogen von Garten zu Garten. Allerorts gab es Preise zu gewinnen, Süßigkeiten waren eine hochgeschätzte Gewinnerbeute.
Etwas das leider zunehmend verloren geht, ist das Bewusstsein der Gärtner/innen einer Gemeinschaft zuzugehören, diese Vereinsgemeinschaft ergibt sich aus dem Umstand, dass es sich bei der Kolonie um einen eingetragenen Verein handelt. In jedem Verein gibt es Spielregeln, an die man sich halten muss, die das Vereinsleben fördern und das Überleben sichern.
So kann man zumindest in seiner unmittelbaren Nachbarschaft, die Nachbarn unterstützen, wenn Hilfe erforderlich ist und zu den Vereinsfesten sollte man erscheinen.
Der Garten steht für mich für Freiheit, sagt Gerhard und zitiert Sebastian Kneipp:
„Kleingarten ist die Natur.
Natur ist die beste Apotheke.“
Interview Gerhard Schreier, 16.April 2025
Gerhard ist auf der Parzelle 22 seit 35 Jahren. Er übernahm die Parzelle von seinem Vater der seit der Gründung 1947 auf der Parzelle war. Der Pachtvertrag des Vaters wurde am 1.10.1950 geschlossen.
In Teilen der Laube finden sich Stücke der Berliner Geschichte wieder. Da Gerhards Vater nach dem Krieg bei den Amerikaner beschäftigt war, wurde ihm von dort ein Stahlbau in Form einer offenen Garage an die Kolonie angeliefert. Sein Vater verbaute und verkleidete sie dann im hinteren Teil der Laube und Gerhard wunderte sich anfangs noch, weshalb ihm alle Bohrer beim Bohren verglühten.
Zur Geschichte der Kolonie gehört auch, dass es hier auf einer Parzelle zur Ernte von blauen Erdbeeren gekommen war. Nachdem man Bodenuntersuchungen entnommen worden hatte, kam heraus, dass dieser belastet war. Grund dafür waren die Flak- Stellungen während des Krieges. Diese waren in Trichtern aufgestellt und man hatte wohl in diesen den Müll vom nahe gelegenen Auguste- Viktoria- Krankenhaus verklappt.
In einer sehr frühen Versammlungseinladung aus den Anfangszeiten der Kolonie wurde darum gebeten, dass jeder Pächter ein Brikett und einen Ziegelstein für die Errichtung eines Wachhäuschens mitbringen solle. Dieses befand sich ungefähr dort, wo jetzt der Müllplatz zu finden ist. Zu dieser Zeit musste die Ernte der Gärten noch vor Diebstahl gesichert werden.
Angebaut wurden Beeren, Obst wie Apfel und Birnen, Gemüse, Kartoffeln. Der Garten, kann man sagen, diente ausschließlich zu den Anfangszeiten der Versorgung. Erst später, ca. ab Mitte der 50er Jahre, begann man auch zu grillen. Anfangs wurde daher auch kaum im Garten gefeiert, außer in ganz kleinen Rahmen. Ebenso war auch ein Übernachten eher unüblich.
Das Vereinshaus der Kolonie war eine Kneipe gewesen. Dort wurde auch gefeiert, wobei sich alle Gärten bei den Vorbereitungen wie das Schmücken und Herrichten beteiligten. Ebenso fanden hier Veranstaltungen für Kinder statt, die später mangels Kinder dann wegfielen.
Überhaupt kann man sagen, dass das Vereinsleben unkomplizierter und spontaner gestaltet war. Der Vorstand organisierte mit den Leuten, die er eingesammelt hatte, die anstehenden Unternehmungen. Jeder Garten gestaltete mit, je nach Möglichkeit. Zu den Kinderfesten wurden in den Gärten Buden aufgestellt und die Kinder zogen von Garten zu Garten. Allerorts gab es Preise zu gewinnen, Süßigkeiten waren eine hochgeschätzte Gewinnerbeute.
Etwas das leider zunehmend verloren geht, ist das Bewusstsein der Gärtner/innen einer Gemeinschaft zuzugehören, diese Vereinsgemeinschaft ergibt sich aus dem Umstand, dass es sich bei der Kolonie um einen eingetragenen Verein handelt. In jedem Verein gibt es Spielregeln, an die man sich halten muss, die das Vereinsleben fördern und das Überleben sichern.
So kann man zumindest in seiner unmittelbaren Nachbarschaft, die Nachbarn unterstützen, wenn Hilfe erforderlich ist und zu den Vereinsfesten sollte man erscheinen.
Der Garten steht für mich für Freiheit, sagt Gerhard und zitiert Sebastian Kneipp: „Kleingarten ist die Natur. Natur ist die beste Apotheke.“
